Unsere Zucht braucht euch – jetzt!
Liebe Mitglieder,
liebe Züchterinnen und Züchter,
liebe Islandpferdefreunde,
unsere Zucht lebt nicht vom Zuschauen, sondern vom Mitmachen. Deshalb möchte ich heute einen deutlichen Appell an euch richten.
Fohlenbeurteilungen, Jungpferdebeurteilungen und Basisbeurteilungen gehören seit vielen Jahren zu einer lebendigen und verantwortungsvollen Islandpferdezucht in Westfalen-Lippe. Sie ermöglichen uns, unsere Nachzucht fachkundig beurteilen zu lassen, Anpaarungen zu überprüfen, Entwicklungen zu erkennen und aus den Ergebnissen für die Zukunft zu lernen.
Doch diese Angebote sind keine Selbstverständlichkeit.
Die Zahl der geborenen Fohlen geht zurück. Gleichzeitig werden längst nicht alle Fohlen und Jungpferde vorgestellt, die vorgestellt werden könnten. Wenn an einzelnen Stationen die notwendigen Nennzahlen nicht mehr erreicht werden, stellt sich irgendwann ganz nüchtern die Frage, ob eine solche Station überhaupt noch stattfinden kann.
So weit sollten wir es nicht kommen lassen.
Jede Nennung zählt
Deshalb meine Bitte an euch:
Nennt eure Fohlen. Stellt eure Jungpferde vor. Nutzt die Basisbeurteilung. Zeigt eure Zucht und macht mit.
Dabei möchte ich ganz bewusst auch diejenigen ansprechen, die professionell mit Islandpferden arbeiten.
Unsere größeren Zucht-, Ausbildungs- und Verkaufsbetriebe prägen die Islandpferdeszene in Westfalen-Lippe wesentlich. Sie leben mit diesen Pferden und teilweise auch von ihnen. Sie profitieren von einer starken Zucht, engagierten Pferdehaltern, Nachwuchs, Vermarktung, Veranstaltungen und einer lebendigen regionalen Gemeinschaft.
Mit dieser Bedeutung geht auch Verantwortung einher.
Wer von einer funktionierenden Islandpferdezucht profitiert, sollte auch dazu beitragen, ihre Strukturen zu erhalten.
Das bedeutet nicht, dass jedes vorhandene Pferd vorgestellt werden muss. Aber vielleicht lohnt es sich, noch einmal bewusst hinzuschauen: Welches Fohlen, welches Jungpferd oder welche Stute könnte ich zusätzlich nennen? Wo kann mein Betrieb dazu beitragen, dass eine Station genügend Pferde zusammenbekommt?
Gerade die größeren Betriebe können mit einigen zusätzlichen Nennungen einen entscheidenden Unterschied machen.
Auch kleine Zuchtstätten sind wichtig
Genauso wichtig seid ihr privaten Züchterinnen und Züchter.
Wer nur eine Stute hat und vielleicht nur alle paar Jahre ein Fohlen zieht, ist kein Züchter zweiter Klasse. Im Gegenteil: Die vielen kleinen Zuchtstätten sorgen für Vielfalt, unterschiedliche Blutlinien, neue Ideen und vor allem für viel persönliche züchterische Leidenschaft.
Jedes vorgestellte Pferd zählt.
Und eine Beurteilung ist kein Schönheitswettbewerb. Nicht jedes Fohlen muss Siegerfohlen werden und nicht jede Bewertung muss spektakulär ausfallen.
Es geht darum, hinzuschauen.
Was hat diese Anpaarung gebracht? Wo liegen die Stärken? Wo vielleicht die Schwächen? Was können wir daraus für die nächste Anpaarung lernen?
Wer züchtet, sollte auch wissen wollen, was er gezüchtet hat.
Was wir heute nutzen, kann morgen fehlen
Wir sollten uns außerdem bewusst machen: Wir können nicht auf der einen Seite wünschen, dass Fohlenreisen, Beurteilungen und regionale Stationen erhalten bleiben, und gleichzeitig darauf hoffen, dass genügend andere ihre Pferde nennen.
„Die anderen werden schon mitmachen“ funktioniert auf Dauer nicht.
Richter, Organisation, Helfer, Fahrtstrecken und Stationen können nur dann sinnvoll vorgehalten werden, wenn wir Züchter diese Angebote auch nutzen.
Warten wir deshalb nicht, bis eine Station gestrichen wird und wir anschließend sagen:
„Schade, früher hatten wir so etwas direkt vor der Haustür.“
Dann ist es zu spät.
Wir haben es jetzt selbst mit in der Hand.
Keine Pferde, keine Beurteilung.
Keine Nennungen, keine Station.
Kein Engagement, irgendwann kein Angebot mehr.
Schauen wir gemeinsam noch einmal hin
Deshalb meine Bitte und auch mein Weckruf an uns alle:
Schaut noch einmal auf eure Weiden und in eure Ställe.
Welches Fohlen könnt ihr vorstellen?
Welches Jungpferd könnte genannt werden?
Für welche Stute wäre eine Basisbeurteilung sinnvoll?
Und gerade an unsere größeren Zucht- und Ausbildungsbetriebe:
Geht mit gutem Beispiel voran.
Nicht, weil ihr müsst, sondern weil eure Beteiligung Gewicht hat. Wenn ihr euch beteiligt, kann das auch andere motivieren, mitzumachen.
Unsere Zuchtgemeinschaft funktioniert nur, wenn wir gemeinsam Verantwortung übernehmen. Der große Betrieb genauso wie der Züchter mit seinem einzigen Fohlen.
Zucht bedeutet nicht nur, Pferde zu züchten. Zucht bedeutet auch, Verantwortung für das Ergebnis und für die Strukturen dahinter zu übernehmen.
Deshalb:
Nennt eure Pferde.
Zeigt eure Zucht.
Unterstützt unsere Stationen.
Damit wir auch in Zukunft nicht darüber sprechen müssen, welche Angebote wir verloren haben, sondern darüber, wie wir unsere Islandpferdezucht in Westfalen Lippe gemeinsam weiterentwickeln.
Unsere Zucht braucht Engagement.
Unsere Zucht braucht Beteiligung.
Unsere Zucht braucht euch. Jetzt.
Herzliche Grüße
Euer Zuchtwart
Jürgen Hundebeck









